"Fast Forword"
In unserer Welt der globalen Beschleunigung können nicht alle das Tempo mithalten. Wer den Stift noch der Tatstaur vorzieht oder das Gespräch dem virtuellen Chat wird jeden Tag ein Stück mehr Vergangenheit. Anders als in traditionellen Gesellschaften spielt die Generation der Älteren in westlichen Kulturen eine belächelte Rolle. Durch die explodierende Informatisierung von Kommunikation und Sozialleben sind ältere Menschen kaum noch Teil des gesellschaftlichen Planeten und werden in marginalisierte Randbereiche gerückt. Ist das überhaupt noch ein reales Problem, wenn auf meinen Web.de-News nie etwas davon gesagt wird?
Trotzdem gibt es, irgendwo, eine ganze Menge von Leuten in ihren Lehnstühlen und Altersheimen – manche rauchen Pfeife, heißt es – die eigentlich nur warten. Auf’s langsame Verblassen, auf ein Fade-Out, und das ganz ohne Soundtrack und Abspann. Aber es gibt Geschichten, und vielleicht lassen sie sich erzählen. Vielleicht ist alles was übrig ist, von Jahrzehnten voller Erlebnissen und Konflikten und von Ozeanen an Widersprüchen: – ein paar Stories, Anekdoten, weiter und weiter aufpoliert, am Rande der Trivialität. So oft im Kopf wiederholt, bis alle Kanten verschwunden sind. Wir werden Phantasie brauchen um uns vorzustellen, was darunter liegt, ganz ohne leuchten und funkeln. Die Wikipedia-Zusammenfassung wurde gelöscht.
Die ARENA Koproduktion 2010 mit Tadam Company wird in Form einer halbtägigen Durational Dance Installation ein symbolisiertes Altersheim entstehen lassen, in dem zwei Gruppen von Performern aufeinander treffen. Die Pfleger einerseits, die in medialer Über-Repräsentation äußere Ordnungen und Strukturen aufrecht erhalten, Räume kontrollieren und umstrukturieren. Die Heimbewohner andererseits, die still ihren Beschäftigungen nachgehen, bis das Publikum, das sich in allen Teilen des Areals frei bewegen kann, sich ihnen nähert um ihre Geschichten anzuhören. Mit Mitteln des Tanzes werden Anekdoten entstehen, Fragmente längst verdauter Geschichten aufflackern und Leben vorüberziehen – so lange, bis das Interesse erstorben ist, die Zuschauer verschwinden oder die Pfleger mit fürsorglicher Anteilnahme zur Ordnung rufen. Die Installation wird begleitet von einem experimentellen Original-Soundtrack von James Alaska und Tristan Shorr, die Gruppe der Performer wird aus fünf Studierenden aus Erlangen, sowie fünf Performern aus Frankreich/ Israel bestehen. Ziel der Arbeit wird es sein, eine sprach-übergreifende Reflexion auf verschiedene Gegenwarten innerhalb unserer Gesellschaft zu eröffnen und dadurch neue Perspektiven auf eine medial geprägte Zukunft zu wagen.